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Ditib Moschee in Göppingen - Foto: By dierk schaefer (DITIB-Moschee mit integrativer Beflaggung) [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

Nach Spitzelvorwürfen gegen einzelne Imame, muss sich der größte Moschee-Verband Deutschlands nun dem Vorwurf stellen, in einzelnen Gemeinden werde gegen Andersgläubige gehetzt. Nach Recherchen des Fernsehmagazins „defacto“ im Hessischen Rundfunk posteten einige Gemeinden antisemitische Hetze und christenfeindlichen Äußerungen auf ihren Facebook-Seiten.
Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, zeigt sich in dem defacto-Beitrag entsetzt über die Postings. Er erklärt dort weiter, dass es nicht ausreiche, hinterher Konsequenzen zu ziehen und fordert, dass Ditib vielmehr dafür sorgen müsse, dass so etwas gar nicht erst geschehe. Die Integrationsbeauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Deutschen Bundestag, Cemile Giousouf verurteilt die hetzerischen Äußerungen und erklärt: „Dieser Antisemitismus ist nicht nur zutiefst unislamisch sondern er richtet sich gegen das Selbstverständnis deutscher Muslime.“ Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, fordert Giousouf, der Islamverband Ditib müsse „unmissverständlich klarstellen, welche Konsequenzen er zu ziehen gedenkt.“
Der Bundesverband der Ditib distanzierte sich von den genannten Hasskommentaren und nannte sie inakzeptabel. Die Postings seien keine offiziellen Äußerungen der Ditib, dennoch wolle man ihnen nachgehen und Konsequenzen ziehen.

In einigen Bundesländern wird nun die Zusammenarbeit mit dem Islamverband in Frage gestellt. Die hessische Landesregierung will trotz der neuen Vorwürfe an der Kooperation mit Ditib beim islamischen Religionsunterricht festhalten. Allerdings soll es auch aufgrund der aktuellen politischen Entwicklungen in der Türkei eine Neubewertung der Verbindung zwischen der hessischen Ditib und dem türkischen Staat geben.
Hamburg, das als erstes Bundesland einen Staatsvertrag mit islamischen Verbänden geschlossen hatte, will weiter daran festhalten: Die Hamburgische Bürgerschaft hat am Mittwoch (01.02.2017) eine Kündigung des Vertrags mit den Stimmen der rot-grünen Koalition und der Linken abgelehnt – FDP und AfD hatten die Kündigung gefordert. Vereinbart wurde aber der Sechs-Punkte-Antrag der rot-grünen Koalition, der eine konsequente Durchsetzung des Staatsvertrages und die Aufarbeitung von Vorwürfen im Blick hat.
Das Misstrauen gegen Ditib sitzt tief: Spitzelvorwürfe gegen einzelne Imame, die Informationen über mutmaßliche Anhänger des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen an die türkische Regierung weitergeleitet haben, haben neue massive Zweifel an der Unabhängigkeit des Verbandes geweckt. Der Ditib-Vorstand hält die anhaltende Debatte für „verallgemeinernd und unsachlich“ und betont gleichzeitig, dass der Verband an der Aufklärung der Vorwürfe mitwirke.

Auch in Nordrhein-Westfalen wird gefordert, die Partnerschaft mit Ditib zu beenden. NRW-Integrationsminister Rainer Schmeltzer verlangt vom Islamverband, sich kurzfristig von der Türkei loszusagen. Innenminister Ralf Jäger hat beim Anti-Salafisten-Programm bereits die Zusammenarbeit beendet und Justizminister Thomas Kutschaty lässt rund 100 Ditib-Imame überprüfen, die in den NRW-Gefängnissen Häftlinge betreuen.

Wie die Zukunft des größten Islamverbandes in Deutschland aussehen wird, kann im Moment kaum jemand absehen.

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